Streetfighter - Bild © Andreas Will / PIXELIO

Motorradfahrer oder Biker?

Das ist eine Frage, die fast so alt ist wie das Wort „Biker“ im deutschsprachigen Raum an sich. Und nebenbei ein ebenso hei√ü und kontrovers diskutiertes Thema. Quer durch die Motorradforen entstehen regelm√§√üig Diskussionen dar√ľber, wie man sich als Fahrer eines Motorrades nun nennen sollte und wie (wenn m√∂glich) nicht. Dabei bilden sich fast immer zwei Gruppen.

Motorradfahrer oder Biker?

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Der Motorradfahrer

BMW Motorradfahrer РBild © A.Gesing / PIXELIO

Also einer, der mit Herzensblut von Nord nach S√ľd, von der¬†Ostsee¬†bis in die Alpen und weiter Motorrad f√§hrt und das Wort „Biker“ meist nur mit Proletentum und reichlich abgedroschenen Klischees verbindet. Biker werden als weich gesp√ľlte Spezies angesehen, die zwar ein Motorrad (oder eben „Bike“) fahren, aber mit den alten Tugenden nichts mehr zu tun haben.

F√ľr den Motorradfahrer gilt das Authentische und urspr√ľngliche. Das Motorrad braucht keine zwei Flaggen am Heck, wo den USA und seinem jeweiligen Heimatland gleicherma√üen gehuldigt wird. Ebenso wenig braucht das Motorrad umfangreiches Motorradzubeh√∂r wie Heizgriffe, Bugspoiler oder Nebelscheinwerfer.

Was f√ľr den Motorradfahrer z√§hlt sind:

  1. Ein Motorrad das funktioniert, wo bei der Entscheidung zum Motorrad kaufen funktionale vor optischen Werten stehen.
  2. Der Wille auch außerhalb vom Internet und größeren Ansammlungen einfach zu fahren, statt eine Wissenschaft mit Terminplaner daraus zu machen.
  3. Ein kumpelhafter Umgang mit seinen Motorradkollegen, ohne dabei jede Etikette beachten zu m√ľssen.

Der Biker

Biker РBild © Stefan Bayer / PIXELIO

Ein Biker f√§hrt sein Bike auch nicht anders als der Motorradfahrer sein Motorrad. In der Summe sieht der Motorradfahrer diesen Verkehrsteilnehmer aber eher mit gemischten Gef√ľhlen.

Biker werden meist als Warmduscher abgestempelt. Von Menschen, die sich entweder selbst f√ľr ganz sch√∂n abgekocht halten, oder rein weil Ihnen das Deutsch-/Englisch Gemisch nicht in den Kram passt. Das Wort „Biker“ wurde dabei im deutschen Raum erst seit einigen Jahren popul√§rer. Man m√∂chte meinen, seit das Internet seinen Siegeszug angetreten hat gibt es auch immer mehr Biker.

Was f√ľr den Biker z√§hlt sind:

  1. Er ist meist besser informiert als der Motorradfahrer. Was wohl vor allem damit zu tun hat, da√ü er Motorrad Ersatzteile, Motorrad Gebrauchtteile, Auto Ersatzteile, das aktuelle Kinoprogramm, Unterw√§sche und was es eben noch so im Netz gibt zuerst dort „recherchiert“ und √ľberpr√ľft. Er bezieht seine Informationen meist aus Foren und zieht virtuelle Kontakte denen im realen Leben vor.
  2. Der Drang sein Bike meist der aktuellen Mode anzupassen. Egal ob das nun Kellermann Blinker sind, ein verchromter Schutzb√ľgel oder eine schicke neue Lederkombi. Vor allem die Optik z√§hlt und das Ergebnis, wie andere den fahrenden Motorradzubeh√∂r Katalog sehen.
  3. Ein distanziertes Verh√§ltnis zu anderen Bikern. Man trifft sich meist an den immer gleichen Orten, schaut, redet, l√§stert √ľber die immer gleichen Gestalten auf der Stra√üe und zieht danach doch wieder seiner Wege. Innige Freundschaften √ľber Jahre, sind denen von oberfl√§chlichen Bekanntschaften gewichen, die man √ľber Motorradforen kennengelernt hat.

Motorradfahrer oder Biker?

Die Sichtweise der Dinge ist also bunt gemischt und meist davon gepr√§gt, was der Mensch am liebsten von sich gibt: Vorurteile! W√§hrend es vielen Fahrern schlicht egal ist, ob man nun Motorradfahrer oder doch lieber Biker sein m√∂chte, es Ihnen eigentlich nur meist darum geht die deutsche Sprache aufrecht zu erhalten und nicht sinnloserweise ausl√§ndische W√∂rter „einzudeutschen“, unterscheiden wieder andere nach eigenen Ma√üst√§ben und Richtlinien. So sammelt sich nach und nach ein lustiges Sammelsurium an Erkl√§rungen, womit jeder f√ľr sich seine Wahrheit sucht.

Einige „Kategorien“ von Motorradfahrern und Bikern:

BMW Motorrad

BMW im Outback РBild © BMW

Die Fahrer eines BMW Motorrad haben Ihren Ruf meist schon weg, ohne darauf noch gro√ü Einfluss nehmen zu k√∂nnen. So handelt es sich meist um gestandene M√§nner mittleren Alters, die vor allem funktionale Technik und eine praxisgerechte Ausstattung bevorzugen – aber auch stolz sind sich ein „Premiumprodukt“ leisten zu k√∂nnen.

Der BMW-Typ l√§sst sich auch ohne Motorrad schnell an seiner Einheitsbekleidung erkennen, wenn BMW Motorradhelm mit BMW Motorrad Handschuhen zu einer farblich passenden BMW Motorradkombi angezogen werden. Unter dem Klapphelm verbergen sich meist Menschen, die schon einiges erlebt haben und wo zuweilen das Wort „Biker“ noch unbekannt ist und eher mit Radfahrern verwechselt wird. BMW Motorrad Fahrer geh√∂ren also nicht zur typischen Biker Spezies.

Chopper und Cruiser

Rocker РBild © 1A-Phoenix / PIXELIO

Egal ob nun 125er Chopper aus Fernost oder der Klassiker aus Amerika. Das englische Wort „Biker“ trifft hier voll zu. Dabei handelt es sich meist um eine sehr bunte Szene die optimiert (oder eben „customized“), versch√∂nert und umbaut. Hauptsache kein Bike fahren, wie es vielleicht ein zweiter am Treffpunkt der Eitelkeiten ebenso f√§hrt.

Durch Serien wie American Chopper (auch bekannt als Orange Couny Chopper, kurz OCC) erlebten die Chopper, Bopper, Cruiser und wie Sie alle hei√üen einen enormen Boom, den auch die zahlreichen deutschen Customizer tatkr√§ftig voran treiben. Die Szene erfindet sich dabei regelm√§√üig neu, Trends entstehen und gehen auch wieder. Wo der Eine noch das Bild vom Easy Rider im Kopf hat, sind das f√ľr immer mehr junge Cruiser- und Bopperfans nur noch olle Kamellen aus einer vergangenen Zeit. Wohl bei keiner anderen Stilrichtung wird die Optik von gestern so intensiv in die Neuzeit geholt und ver√§ndert.

Heizer, Racer oder Rennstreckenfahrer

Pilot bei der IDM Superbike РBild © Michael Hirschka / PIXELIO

Zumindest eine Gemeinsamkeit teilt sich die Gruppe der Fahrer von schnellen Sportmotorr√§dern: Sie polarisieren andere wesentlich st√§rker. Egal ob das Rennstreckengef√ľhl nun mit Racing Auspuff bei typischen Treffpunkten anderen aufgedr√ľckt wird, oder Sie sich bei 250 km/h auf der Autobahn noch ausgebremst f√ľhlen – meist steckt auch ein fordernder Charakter unter dem Helm, der sich mit einer entspannteren Gangart noch nicht so richtig anfreunden kann (oder will).

Darunter leidet dann meist die Allgemeinheit, was nat√ľrlich aus Sicht des Racers als Spie√üertum abgetan wird. So findet sich dann wieder ein gemeinsamer Nenner: die einen wollen die anderen nicht verstehen. Abgebr√ľhte Racer suchen Ihren Spa√ü nicht mehr auf √∂ffentlichen Stra√üen und haben das Risiko, sich selbst auszuradieren, erkannt und leben Ihren Sport auf Rennstrecken aus. Diese Fahrer kann man zu den Motorradfahrern z√§hlen, eben weil Sie sich selbst nicht wirklich als Biker sehen.

Die Heizer und Pseudo Rossi’s haben diesen Reifeprozess noch nicht hinter sich und sehen die Leistung des Motorrades gleichzeitig als Egoverst√§rker. Ob das zugegeben wird oder nicht sei dahingestellt. Ausreden fallen schwer und so richtig erkl√§ren kann man den Sinn von 180 PS dann auch nicht – so bekommt der Heizer den Biker Stempel aufgedr√ľckt.

Streetfighter

Streetfighter РBild © Andreas Will / PIXELIO

Streetfighter – kein deutsches Wort wie sich unschwer bei der Aussprache „Schtreetfickter“ erkennen l√§sst und ebenso wenig die typischen Biker. Motorradfahrer klingt noch uncooler und wird gleich abgelehnt. Doch wer sind diese einsamen Stra√üenk√§mpfer eigentlich?

Die Lonesome Rider des motorisierten Zweirades bilden eine Art Subkultur, die mit keiner anderen „Gattung“ so richtig etwas zu tun haben m√∂chte. Hier geht es klar darum aufzufallen. Das Motorrad und nat√ľrlich der Fahrer Rider Fighter selbst. Aggressive Kampfbemalung und ein brutales Aussehen passen zu diesen unerschrockenen Heroen. Die wenigsten davon sind ohne Motorradbekleidung und Showbike wirklich furchteinfl√∂√üend, doch darum geht es ja auch gar nicht.

Der Streetfighter erlebt sein Hoch, w√§hrend er SEINEN Auftritt hat. Dabei verstecken sich hinter den Bikes zum Teil handwerklich extrem saubere und aufw√§ndige Motorrad Umbauten. Selbst wer nur einen ehemaligen Sportler nach unfreiwilliger Kaltverformung zum Streetfighter transformiert, kann davon profitieren. Wie sch√∂n, wenn es nicht nur um’s Geld geht. Solange sich also noch kein Begriff wie Streetfighterbiker durchgesetzt hat, bleibt es beim Streetfighter.

Klassiker, auch „Retro“ genannt

Triumph Oldtimer РBild © tom-dooley / PIXELIO

Diese Richtung, klar als Motorradfahrer zu identifizieren, will mit Fingerspitzengef√ľhl behandelt werden. Viele Fahrer von alten Moto Guzzi, Triumph & Co. entwickeln sich regelrecht zu kleinen Mimosen, wenn es um Pro & Kontra au√üerhalb Ihrer Welt geht. Das ganze neumodische Zeug taugt nicht, hat kein Herz und keine Seele. Vielleicht zur gr√∂√üten Not eine Probefahrt, aber nur um sich selbst wieder zu best√§tigen, da√ü das Gef√§hrt daheim doch das Beste ist. Kann man mit dieser etwas zart besaiteten Einstellung umgehen, finden sich durchaus Freunde f√ľr’s Leben. Es wird erhalten, restauriert und optimiert um Preziosen nicht dem Siechtum zu √ľberlassen.

Mit dem ganzen Biker Troubel haben die Klassikerfans wenig am Hut. Sie finden gelbe Warnwesten beim Fahren albern und verstehen auch den Sinn von Sicherheitstrainings nicht so richtig, wo 10 Frauen in einer Reihe um H√ľtchen fahren. Hier kann der Mann also noch den gestandenen Recken spielen, Frauen sind bei den Retro’s selten – wenn, dann sind Sie aber meist auf einer Wellenl√§nge mit der m√§nnlichen Spezies. Ein klarer Fall von Motorradfahrer (und Motorradfahrerin).

Zum Schluss noch eine Anmerkung:

Diese Seite ist aus purer Langeweile entstanden und soll dazu dienen, vielleicht ein kleines Lächeln beim Lesen ins Gesicht zu zaubern