Motorradfahrer oder Biker?

Das ist eine Frage, die fast so alt ist wie das Wort “Biker” im deutschsprachigen Raum an sich. Und nebenbei ein ebenso heiß und kontrovers diskutiertes Thema. Quer durch die Motorradforen entstehen regelmäßig Diskussionen darüber, wie man sich als Fahrer eines Motorrades nun nennen sollte und wie (wenn möglich) nicht. Dabei bilden sich fast immer zwei Gruppen.

Der Motorradfahrer

BMW Motorradfahrer – Bild © A.Gesing / PIXELIO

Also einer, der mit Herzensblut von Nord nach Süd, von der Ostsee bis in die Alpen und weiter Motorrad fährt und das Wort “Biker” meist nur mit Proletentum und reichlich abgedroschenen Klischees verbindet. Biker werden als weich gespülte Spezies angesehen, die zwar ein Motorrad (oder eben “Bike”) fahren, aber mit den alten Tugenden nichts mehr zu tun haben. Für den Motorradfahrer gilt das Authentische und ursprüngliche. Das Motorrad braucht keine zwei Flaggen am Heck, wo den USA und seinem jeweiligen Heimatland gleichermaßen gehuldigt wird. Ebenso wenig braucht das Motorrad umfangreiches Motorradzubehör wie Heizgriffe, Bugspoiler oder Nebelscheinwerfer.

Was für den Motorradfahrer zählt sind:

  1. Ein Motorrad das funktioniert, wo bei der Entscheidung zum Motorrad kaufen funktionale vor optischen Werten stehen.
  2. Der Wille auch außerhalb vom Internet und größeren Ansammlungen einfach zu fahren, statt eine Wissenschaft mit Terminplaner daraus zu machen.
  3. Ein kumpelhafter Umgang mit seinen Motorradkollegen, ohne dabei jede Etikette beachten zu müssen.

Der Biker

Biker – Bild © Stefan Bayer / PIXELIO

Ein Biker fährt sein Bike auch nicht anders als der Motorradfahrer sein Motorrad. In der Summe sieht der Motorradfahrer diesen Verkehrsteilnehmer aber eher mit gemischten Gefühlen. Biker werden meist als Warmduscher abgestempelt. Von Menschen, die sich entweder selbst für ganz schön abgekocht halten, oder rein weil Ihnen das Deutsch-/Englisch Gemisch nicht in den Kram passt. Das Wort “Biker” wurde dabei im deutschen Raum erst seit einigen Jahren populärer. Man möchte meinen, seit das Internet seinen Siegeszug angetreten hat gibt es auch immer mehr Biker.

Was für den Biker zählt sind:

  1. Er ist meist besser informiert als der Motorradfahrer. Was wohl vor allem damit zu tun hat, daß er Motorrad Ersatzteile, Motorrad Gebrauchtteile, Auto Ersatzteile, das aktuelle Kinoprogramm, Unterwäsche und was es eben noch so im Netz gibt zuerst dort “recherchiert” und überprüft. Er bezieht seine Informationen meist aus Foren und zieht virtuelle Kontakte denen im realen Leben vor.
  2. Der Drang sein Bike meist der aktuellen Mode anzupassen. Egal ob das nun Kellermann Blinker sind, ein verchromter Schutzbügel oder eine schicke neue Lederkombi. Vor allem die Optik zählt und das Ergebnis, wie andere den fahrenden Motorradzubehör Katalog sehen.
  3. Ein distanziertes Verhältnis zu anderen Bikern. Man trifft sich meist an den immer gleichen Orten, schaut, redet, lästert über die immer gleichen Gestalten auf der Straße und zieht danach doch wieder seiner Wege. Innige Freundschaften über Jahre, sind denen von oberflächlichen Bekanntschaften gewichen, die man über Motorradforen kennengelernt hat.

Motorradfahrer oder Biker?

Die Sichtweise der Dinge ist also bunt gemischt und meist davon geprägt, was der Mensch am liebsten von sich gibt: Vorurteile! Während es vielen Fahrern schlicht egal ist, ob man nun Motorradfahrer oder doch lieber Biker sein möchte, es Ihnen eigentlich nur meist darum geht die deutsche Sprache aufrecht zu erhalten und nicht sinnloserweise ausländische Wörter “einzudeutschen”, unterscheiden wieder andere nach eigenen Maßstäben und Richtlinien. So sammelt sich nach und nach ein lustiges Sammelsurium an Erklärungen, womit jeder für sich seine Wahrheit sucht.

Einige “Kategorien” von Motorradfahrern und Bikern:

BMW Motorrad

BMW im Outback – Bild © BMW

Die Fahrer eines BMW Motorrad haben Ihren Ruf meist schon weg, ohne darauf noch groß Einfluss nehmen zu können. So handelt es sich meist um gestandene Männer mittleren Alters, die vor allem funktionale Technik und eine praxisgerechte Ausstattung bevorzugen. Das sieht dann zwar meist nach Einheitskleidung aus, wenn BMW Motorradhelm mit BMW Motorrad Handschuhen zu einer farblich passenden BMW Motorradkombi angezogen werden, doch die gefahrenen Kilometer geben den Graubärten recht. Unter dem Klapphelm verbergen sich meist Menschen, die schon einiges erlebt haben und wo zuweilen das Wort “Biker” noch unbekannt ist und eher mit Radfahrern verwechselt wird. BMW Motorrad Fahrer gehören also nicht zur typischen Biker Spezies.

Chopper und Cruiser

Rocker – Bild © 1A-Phoenix / PIXELIO

Egal ob nun 125er Chopper aus Fernost oder der Klassiker aus Amerika. Das englische Wort “Biker” trifft hier voll zu. Dabei handelt es sich meist um eine sehr bunte Szene die optimiert (oder eben “customized”), verschönert und umbaut. Hauptsache kein Bike fahren, wie es vielleicht ein zweiter am Treffpunkt der Eitelkeiten ebenso fährt. Durch Serien wie American Chopper erlebten die Chopper, Bopper, Cruiser und wie Sie alle heißen einen enormen Boom, den auch die zahlreichen deutschen Customizer tatkräftig voran treiben. Die Szene erfindet sich dabei regelmäßig neu, Trends entstehen und gehen auch wieder. Wo der Eine noch das Bild vom Easy Rider im Kopf hat, sind das für immer mehr junge Cruiser- und Bopperfans nur noch olle Kamellen aus einer vergangenen Zeit. Wohl bei keiner anderen Stilrichtung wird die Optik von gestern so intensiv in die Neuzeit geholt und verändert.

Heizer, Racer oder Rennstreckenfahrer

Pilot bei der IDM Superbike – Bild © Michael Hirschka / PIXELIO

Zumindest eine Gemeinsamkeit teilt sich die Gruppe der Fahrer von schnellen Sportmotorrädern: Sie polarisieren andere wesentlich stärker. Egal ob das Rennstreckengefühl nun mit Racing Auspuff bei typischen Treffpunkten anderen aufgedrückt wird, oder Sie sich bei 250 km/h auf der Autobahn noch ausgebremst fühlen – meist steckt auch ein fordernder Charakter unter dem Helm, der sich mit einer entspannteren Gangart noch nicht so richtig anfreunden kann (oder will). Darunter leidet dann meist die Allgemeinheit, was natürlich aus Sicht des Racers als Spießertum abgetan wird. So findet sich dann wieder ein gemeinsamer Nenner: die einen wollen die anderen nicht verstehen. Abgebrühte Racer suchen Ihren Spaß nicht mehr auf öffentlichen Straßen und haben das Risiko, sich selbst auszuradieren, erkannt und leben Ihren Sport (ein Unterschied) auf dafür ausgelegten Rennstrecken aus. Diese Fahrer kann man zu den Motorradfahrern zählen, eben weil Sie sich selbst nicht wirklich als Biker sehen. Die Heizer und Pseudo Rossi’s haben diesen Reifeprozess noch nicht hinter sich und sehen die Leistung des Motorrades gleichzeitig als Egoverstärker. Ob das zugegeben wird oder nicht sei dahingestellt. Ausreden fallen schwer und so richtig erklären kann man den Sinn von 180 PS dann auch nicht – so bekommt der Heizer den Biker Stempel aufgedrückt.

Streetfighter

Streetfighter – Bild © Andreas Will / PIXELIO

Streetfighter – kein deutsches Wort wie sich unschwer bei der Aussprache “Schtreetfickter” erkennen lässt und ebenso wenig die typischen Biker. Motorradfahrer klingt noch uncooler und wird gleich abgelehnt. Doch wer sind diese einsamen Straßenkämpfer eigentlich? Die Lonesome Rider des motorisierten Zweirades bilden eine Art Subkultur, die mit keiner anderen “Gattung” so richtig etwas zu tun haben möchte. Hier geht es klar darum aufzufallen. Das Motorrad und natürlich der Fahrer Rider Fighter selbst. Aggressive Kampfbemalung und ein brutales Aussehen passen zu diesen unerschrockenen Heroen. Die wenigsten davon sind ohne Motorradbekleidung und Showbike wirklich furchteinflößend, doch darum geht es ja auch gar nicht. Der Streetfighter erlebt sein Hoch, während er SEINEN Auftritt hat. Dabei verstecken sich hinter den Bikes zum Teil handwerklich extrem saubere und aufwändige Motorrad Umbauten. Selbst wer nur einen ehemaligen Sportler nach unfreiwilliger Kaltverformung zum Streetfighter transformiert, kann davon profitieren. Wie schön, wenn es nicht nur um’s Geld geht. Solange sich also noch kein Begriff wie Streetfighterbiker durchgesetzt hat, bleibt es beim Streetfighter.

Klassiker, auch “Retro” genannt

Triumph Oldtimer – Bild © tom-dooley / PIXELIO

Diese Richtung, klar als Motorradfahrer zu identifizieren, will mit Fingerspitzengefühl behandelt werden. Viele Fahrer von alten Moto Guzzi, Triumph & Co. entwickeln sich regelrecht zu kleinen Mimosen, wenn es um Pro & Kontra außerhalb Ihrer Welt geht. Das ganze neumodische Zeug taugt nicht, hat kein Herz und keine Seele. Vielleicht zur größten Not eine Probefahrt, aber nur um sich selbst wieder zu bestätigen, daß das Gefährt daheim doch das Beste ist. Kann man mit dieser etwas zart besaiteten Einstellung umgehen, finden sich durchaus Freunde für’s Leben. Es wird erhalten, restauriert und optimiert um Preziosen nicht dem Siechtum zu überlassen. Mit dem ganzen Biker Troubel haben die Klassikerfans wenig am Hut. Sie finden gelbe Warnwesten beim Fahren albern und verstehen auch den Sinn von Sicherheitstrainings nicht so richtig, wo 10 Frauen in einer Reihe um Hütchen fahren. Hier kann der Mann also noch den gestandenen Recken spielen, Frauen sind bei den Retro’s selten – wenn, dann sind Sie aber meist auf einer Wellenlänge mit der männlichen Spezies. Ein klarer Fall von Motorradfahrer (und Motorradfahrerin).

Was sich nicht vermeiden lässt, EINE UMFRAGE (wow!):

Motorradfahrer oder Biker?

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Zum Schluss noch eine Anmerkung:

Diese Seite ist aus purer Langeweile entstanden und soll dazu dienen, vielleicht ein kleines Lächeln beim Lesen ins Gesicht zu zaubern ;-)